wie es ist, vegetarisch zu leben

Hallo zusammen!

Heute möchte ich gerne über etwas schreiben, was mir persönlich sehr am Herzen liegt, und zwar das Thema wie es ist, Vegetarier zu sein.

Das Ganze hatte vor ca. einem Jahr angefangen: ich war nie eine, die viel Fleisch gegessen hatte, und wenn, dann immer nur Pute und Hähnchen, nichts anderes. Seit ich eine Katze habe (nun aber schon ziemlich lange), bin ich viel sensibler geworden wenn es um Tierquälerei geht. Ich konnte kaum eine Reportage oder einen kurzen Nachrichtenbericht über gequälte und getötete Tiere sehen ohne dass ich anfing zu weinen. Die Bilder haben sich einfach in meinen Kopf eingebrannt. Delfine, die in japanischen Gewässern getötet werden, Wale in der Antarktis die mit riesigen Harpunen umgebracht werden und vom Aussterben bedroht sind. Löwen und Tiger die in kleinen Käfigen von A nach B gefahren werden für einen Zirkus.
Nunja, letztes Jahr fing ich an, bei dem bisschen Fleisch, was ich noch gegessen habe, die Sehnen herauszuschneiden, sonst konnte ich das nicht essen. Nichts rotes durfte auf meinem weißen Fleisch sein, sonst wurde mir schlecht. Das Fleisch musste trocken sein, weil wenn es weich war, hat es mich an das getötete Tier erinnert. Ich hatte beschlossen, dass ich bald Vegetarier werde, nur wie sollte ich das machen? Wovon sollte ich mich dann noch ernähren? Dazu müsst ihr wissen, meine Ernährung war letztes Jahr noch die langweiligste, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Dann muss man auch als Jugendliche noch weiter denken: Was esse ich denn dann im Mcdonald’s und Burger King (nur am Cheatday 😉 ) ? Letztes Jahr gab es nur eine Alternative bei Mcdonald’s und das war der Veggie Burger.
Kurzum: ich habe mich einfach nicht getraut.

Ich bin Mitglied im Deutschen Tierschutzbund und bekomme paarmal im Jahr eine Zeitschrift von denen. Anfang März diesen Jahres habe ich in die Zeitschrift geblättert und ein Artikel hatte mich geschockt. Abgebildet war ein Hund, bis aufs Äußerste abgemagert. Der Hund sollte normalerweise 57kg wiegen, hatte aber zu dem Zeitpunkt wo man ihn gerettet hat nur noch 27kg. Die Hundebesitzerin hat ihn einfach abmagern lassen. Wie kann man nur so etwas tun? Der Hund hat es nicht mehr geschafft, man hat ihm noch ein paar schöne letzte Tage bereiten können, aber dann musste er eingeschläfert werden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich so angewidert war von der Menschheit, dass ich beschlossen habe, Vegetarier zu werden.
Ich begreife einfach nicht, wie man Tiere quälen kann. In den letzten Wochen gab es wieder so viele Schlagzeilen diesbezüglich: eine Pferde-Farm, auf der 22 Pferde halb verhungert sind, und die krasseste war: eine Hundebesitzerin war total überfordert mit ihrem Hund. Sie hat ihn manchmal tagelang ans Kamin gefesselt und am Ende in ein Tierheim gesteckt. Dann haben sie und 2 weitere Männer beschlossen, den Hund aus dem Tierheim zu nehmen, der Hund natürlich total erfreut sein Frauchen wieder zu sehen. Am Ende kam raus: Sie haben ihn nur aus dem Tierheim geholt, um ihn am nächsten Tag mit verbundenem Mund und gefesselten Pfoten in einen See zu schmeißen. Der Hund hat nicht einmal gewinselt, er hat sein Schicksal einfach hingenommen.  Und solche Menschen kriegen größtenteils nichtmal Haftstrafen, sondern nur Geldstrafen. Wie gestört muss ein Mensch im inneren sein, um so eine Tat zu begehen? Wozu sind diese Menschen denn noch fähig? 
Ein Fleischskandal nach dem anderen kommt ans Licht, mal ist es ein Pferdefleisch-Skandal, ein anderes mal wird billiges Schweinefleisch zu Rinderfleisch hinzugegeben und als pures Rindfleisch verkauft. Es wird mit Tierleben getrickst und verhandelt. Wenn sich die Menschen mal angucken würden, wie all die Hühner gehalten werden, die sie dann später als Chicken Nuggets oder Chicken Wings essen, würden sie nie wieder so etwas in ihren Mund nehmen. Es werden Tieren Medikamente verabreicht, damit sie so schnell wie möglich wachsen, damit man sie schlachten kann.

Ich kann absolut verstehen wenn die Menschen sagen, sie möchten nicht auf Fleisch verzichten, ich versuche hier auch niemanden umzustimmen, aber genau solche Leute verschließen die Augen vor der Wahrheit. Sie wollen nicht wissen, wie das, was sie essen, aufgewachsen und gehalten worden ist. Sie blenden das einfach aus.
Ich würde liebend gerne wissen, woher mein Gemüse kommt, ob es mit Pestiziden vollgepumpt ist oder von einem guten Bauern kommt, der sein Gemüse behandelt hat wie seine Kinder. Warum sollte man sowas nicht auch über sein Fleisch erfahren wollen?
Ich befürworte es, wenn zum Beispiel meine beste Freundin oder mein Freund sagen, sie kaufen nur gutes Fleisch vom Bauern, aber Leute, tut der Welt einen Gefallen und lasst die Finger von billigem Fleisch.
Ich bekam teilweise sehr alberne Argumente zu hören warum wir Fleisch essen sollten, einer meinte mal zu mir „das machen wir Menschen schon seit Jahrzehnten, das liegt in unserer Natur“. Was ist das für ein Argument? Müssen wir also alles, was wir seit Jahrzehnten machen, auch so beibehalten?
Man muss sogar Tiere töten, der Meinung bin ich auch, sonst würde es zu viele von allen Tieren geben, die Ozeane wären voller Wale, die gefährlich für uns Menschen sein können wenn man mit dem Schiff fährt und Afrika wäre voll mit Raubkatzen. Weil diese Tiere bilden das Ende einer Nahrungskette, es gibt keine Tiere die Wale essen und auch keine die Tiger essen. Das ist nunmal leider Fakt, aber ich bin auch vielmehr gegen die Massentierhaltung und die Tierquälerei.

Aber mal weiter mit meiner Story: Nachdem ich nun entschieden hatte, vegetarisch zu leben, wusste ich erstmal nicht so recht wie ich mich ernähren sollte. Zum Glück hatte zu dem Zeitpunkt das Projekt „Sexy an den Strand“ von der Womens Health angefangen, denn so konnte ich mich dazu motivieren, neue Gerichte auszuprobieren und mich abwechslungsreich zu ernähren. Ich esse gelegentlich Tofu, aber die meiste Zeit ernähre ich mich lieber von Obst, Gemüse und Getreideprodukten. Um ehrlich zu sein, Milchprodukte esse ich auch noch, Eier aber mittlerweile fast gar keine mehr. Wenn man backt oder draußen was gebackenes isst, ist das auch unumgänglich. Vielleicht gehe ich bald so weit, dass ich sage: zuhause ernähre ich mich vegan, draußen vegetarisch. Beides geht auch eigentlich Hand in Hand, 70% der Dinge, die ich esse und trinke sind sogar vegan.

Was ich sehr positives finde ist, dass der Fleischkonsum zurück geht, es werden immer mehr vegetarische Alternativen angeboten. Burger King hat mittlerweile einen vegeatrischen „Country Burger“, der super lecker schmeckt und den sie nicht als einen kleinen Abklatsch-Burger verkaufen, sondern gleichstellen mit ihrem Whopper und Crispy Chicken. Vor ein paar Tagen habe ich im Mcdonalds sogar einen vegetarischen Wrap entdeckt, und 3 verschiedene neue Dauer-Salate!! Eines ist sogar Couscous-Salat 😀 Der Preis ist natürlich unangemessen hoch, aber zumindest muss ich dort nicht mehr nur den langweiligen veggie Burger essen.
Wenn bei uns gegrillt wird, kaufe ich mir vegetarische Bratwürstchen, deren Nährwerte um ein vielfaches besser sind als die Fleisch-Variante. Und auch so finde ich ist man durch die vegetarische Lebensweise sogar gezwungen sich gesund zu ernähren: vieles ungesunde wie z.B. Pommes mit Schnitzel oder eben die ganzen Burger fallen weg. Man beschäftigt sich viel mit der Ernährung, muss natürlich auch gucken wo man dann das Eisen und die Proteine (gerade als Sportler) bezieht.

Seit ich diesen Schritt gewagt habe, fühle ich mich befreit von der Last, Fleisch essen zu müssen. Ich gucke mir meine Katze an und weiß, wofür ich das Ganze tue.

Falls ihr Fragen habt zu dem Thema: viele trauen sich nicht, weil sie nicht wissen, wovon sie sich sonst ernähren sollen, das kriege ich oft zu hören. Wenn ich irgendwem damit helfen kann, dann schreibt mir bitte 🙂

vegan

Advertisements

6 Gedanken zu “wie es ist, vegetarisch zu leben

  1. Toller Post! Ich könnt nicht vegetarisch, aber ich bin total deiner Meinung was das Fleisch angeht. Wir kaufen alles von einem regionalen Anbieter auf dem Bauernmarkt. Da weiß man wo und unter welchen Bedingungen es her kommt (wir kennen den Hof auch). Das ist mir sehr wichtig. Auch unsere Eier kommen aus der Region. Ich brauche Fleisch und Eier, v.A. weil ich sonst so eingeschränkt bin durch meine Unverträglichkeiten. Und ich mag es auch. Aber Massentierhaltung ist ein Graus. Da verzichte ich lieber, bevor ich billiges, unter grausamen Bedingungen gewonnenes Fleisch esse! Kennst du das Buch Skinny Bitch? Das solltest du mal lesen. Eine Ode an den veganen Lebensstil. Alles darin find ich nicht gut, aber einzelne Kapitel sind super. Nach dem Zucker Kapitel hab ich wochenlang keinen mehr gegessen! Ich hab das Fleisch Kapitel nicht gelesen. Sonst würd ich wohl keins mehr essen können.

  2. Meltem schreibt:

    Genau sowas befürworte ich dann auch. Einige Vegetarier und Veganer neigen dazu, alle Fleischesser zu hassen. Genau dazu meinte Atilla Hildmann auch mal was, dass sie toleranter damit umgehen müssen. Es gibt nunmal Fleischesser, und welche die es nicht sind, warum sich gegenseitig beschimpfen..
    Von dem Buch hatte ich mal gehört, aber die Rezensionen waren teilweise so schlecht weil das Buch voller Fehler/Widersprüche sein soll. Aber lohnt es sich denn trotzdem das mal zu lesen? Ich wüsste gar nicht was an Zucker soo schlecht sein sollte, außer dass es dick macht wenn man es in Mengen isst. Oder nicht? 😀

  3. Nein Missverständnis. Nicht Verzicht im Generellen, nur auf Fleisch im Speziellen. Verzicht wird immer so negativ konnotiert, ist aber hier neutral gemeint 🙂

  4. Ich liebe Fleisch. Ich kann aber auch jeden Vegetarier und Veganer verstehen. Wichtig finde ich vor allem den bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln. Es muss meiner Meinung nach nicht jeder Vegetarier werden, aber man muss im Gegenzug ja auch nicht jeden Tag Fleisch essen – und vor allem nicht möglichst billig. Jeden Tag Bio-Fleisch ist halt teuer. Dann lieber weniger oft, dafür qualitativ besser. Diese Geiz-ist-geil-Mentalität nervt mich total, gerade wenn andere, in diesem Fall die Tiere, darunter leiden müssen.

    Für mich macht das oft gar keinen grossen Unterschied ob ich jetzt ein Mittagessen mit Fleisch oder ohne habe. Auch wenn ich selbst koche, muss da kein Fleisch dabei sein. Ein leckeres Rindsfilet oder Lammrücken ist dann dafür aber auch ein richtiges Highlight am Wochenende.

    Wenn alle ihre Einstellung nur ein wenig Richtung vegetarisch bewegen könnten, würde das schon viel ausmachen. Man muss ja nicht total auf Fleisch verzichten. Obwohl das natürlich jedem frei gestellt ist. Eine vernünftige Grundeinstellung plus Toleranz (von beiden Seiten!) fände ich optimal.

    • Meltem schreibt:

      Deine Meinung dazu kann ich absolut verstehen und auch so weiter empfehlen. Eine gesunde Mischung ist auch meiner Meinung nach die ideale Kombi, nur kann ich es einfach mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Wie du aber schon sagtest, Fleisch muss nicht jeden Tag sein. Wenn jeder so denken würde, würde das Tierleiden zumindest nicht mehr existieren…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s